du bist Teil eines grossen Netzes

Wenn dieser Impuls in deinen Posteingang „flattert“, bilden wir wir zu zwölft ein Netz wacher Menschen: wir sind diesen Samstag bei Marianne und Hans in Mittelhäusern, meditieren, sind draussen in der Natur, horchen, tauschen aus, essen, geniessen, nehmen uns einen Tag Zeit zum Sein, jeder für sich und doch gemeinsam – heilsame Räume der Regeneration und Inspiration. Wo immer du bist, wann immer du das liest, du bist Teil eines grossen Netzes.

Martin Steiner

Wenn du mit allem verbunden bist

Die Sinne sind unsere Verbindung zur Aussenwelt. Unsere Haut ist ein unglaubliches Organ, sie zieht eine Grenze zwischen unserem Innen und Aussen. In allen meinen Arbeiten geht es irgendwie um die Haut. Diese Verbindung des Innen mit dem Aussen wird sehr stark durch unsere Sinne vermittelt und durch kulturelle Ideen in uns. Ein Satz kann von unterschiedlichen Menschen aufgrund des kulturellen Hintergrunds auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Wir hören mit unseren Ohren, aber wir interpretieren mit unserer Seele. Wenn wir mit jedem Sinn und mit jedem Gefühl, das uns umgibt, verbunden sind, empfangen wir auf eine positivere Weise. Wir empfangen jeden Satz mit mehr Zartheit, mehr Bewusstsein, selbst wenn der Satz gefährlich ist. Selbst wenn du etwas mit einem Schwert trennen musst, musst du verbunden sein mit allem, was dich umgibt. Wenn du mit allem verbunden bist, was dich umgibt, bist du auf alles vorbereitet. Das führt zu Entspannung und Stärke, dazu, aufzustehen und sich bewusst zu sein, wo wir in diesem Augenblick sind.

Aus dem Interview mit dem Künstler Ernesto Neto in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Evolve zum Thema „Soziale Achtsamkeit. Die Kraft des Beziehungsraums“, S. 78

Wir sind aus dem gleichen Grund da

Ich möchte mit meinen Skulpturen eine Quelle positiver Energie erschaffen, einen Ort der Begegnung. Begegnung mit dir selbst, Begegnung mit der Kunst, spirituelle Begegnung und Begegnung mit anderen, denn mit anderen zusammen zu sein ist von äusserster Wichtigkeit. Manchmal kommst du zu so einem Werk, du setzt dich hin, du legst dich hin und da sind Menschen, die du nie zuvor gesehen hast, aber du fühlst dich wohl mit ihnen. Das ist wie am Strand von Rio de Janeiro oder an anderen Stränden: Wenn du zum Strand gehst, legst du dein Handtuch hin und legst dich drauf, jemand liegt neben dir, aber das stört dich nicht. Wir sind aus dem gleichen Grund da, um zu atmen, die Kraft der Sonne zu spüren, zu schwimmen, einen öffentlichen Raum miteinander zu teilen.

Aus dem Interview mit dem Künstler Ernesto Neto in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Evolve zum Thema „Soziale Achtsamkeit. Die Kraft des Beziehungsraums“, S. 77

Ich möchte, dass die Menschen Zeit verlieren

Ich möchte, dass die Menschen Zeit verlieren. Es gibt diesen berühmten amerikanischen Satz: „Time is money.“ Ich sage gerne: „Time is life!“ Wir müssen aufpassen, denn wenn wir andauernd unsere Zeit verkaufen, bleibt keine Zeit mehr für uns selbst. Natürlich müssen wir unsere Zeit verkaufen, indem wir arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch letzten Endes ist jede Art von Arbeit heilig. Wenn wir unsere Arbeit machen und uns darauf konzentrieren, erschaffen wir etwas, ganz egal, was es ist. Wenn du den Boden putzt und das mit deiner ganzen Seele tust, wird das Putzen es dir ermöglichen, spirituell zu überleben und der Lawine von negativer Energie zu widerstehen, der wir die ganze Zeit ausgesetzt sind. Ich möchte mit meinen Skulpturen eine Quelle positiver Energie erschaffen, einen Ort der Begegnung.

Aus dem Interview mit dem Künstler Ernesto Neto in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Evolve zum Thema „Soziale Achtsamkeit. Die Kraft des Beziehungsraums“, S. 77

Menschen brauchen Zeit und Raum, um zu sein

Ich glaube, Menschen brauchen Zeit und Raum, um zu sein, zu atmen, sie selbst zu sein. Das machst du nicht allein oder abgeschirmt von anderen. Du brauchst einen Raum, in dem du dich wohlfühlst, in dem aber auch andere sich miteinander wohlfühlen – ein Ort, der dich umarmt, der zärtlich zu dir ist, der dir Aufmerksamkeit schenkt, der dich strahlen lässt, der dich beruhigt, an dem du dich hingeben kannst. Unser Alltag fordert viel von uns, besonders in den Städten, wo wir ständig mit einer Unzahl von Informationen konfrontiert sind: „Das musst du machen, so musst du sein, so sollten wir es machen.“ Ich möchte, dass die Menschen Zeit verlieren.

Aus dem Interview mit dem Künstler Ernesto Neto in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Evolve zum Thema „Soziale Achtsamkeit. Die Kraft des Beziehungsraums“, S. 77

Ich brauche beides: Stille und Intensität

Ich brauche Stille und Freiraum zum Sein und Hören, damit ich mir dessen bewusst werden kann, was ich will, was ich sagen will (bei einem Vortrag oder im Unterricht beispielsweise), was ich spüre, ahne, weiss.

Und ich brauche die Dichte und Intensität der Ereignisse, damit ich sage, was in mir ist. Sie fordern mich heraus, es jetzt auszudrücken, in der Endgültigkeit und Vorläufigkeit des gegenwärtigen Moments. Sonst würde ich zu lange darüber nachdenken und es immer und immer wieder neu schreiben ohne es je in die Welt zu bringen.

Martin Steiner

Sicherheit und Ruhe

Es gibt keine Sicherheit ausser der Ruhe, die der Mensch in sich selber entstehen lässt.

Michel de Montaigne

Eine Geschichte

Von Picasso erzählt man sich die Geschichte, dass ein Fremder in der Eisenbahn einmal herausfordernd zu ihm bemerkte: „Warum malen Sie die Dinge so, wie sie wirklich sind?“
Picasso zögerte und erklärte, er verstehe nicht ganz, was der Herr damit meine, woraufhin dieser aus seiner Brieftasche ein Foto seiner Frau hervorholte. „Ich meine“, sagte er, „so wie das. Genau so ist sie.“ Picasso hüstelte unschlüssig und sagte: „Sie ist ziemlich klein, nicht? Und recht flach?“

Aus: Gregory Bateson, Mary Catherine Bateson, Wo Engel zögern, S.228